Erste Erfahrungen mit low-cost VHF/UHF-Transceivern aus China
Stand: 26. April 2011

"Kann denn ein für weniger als Euro 30 erhältlicher FM-Transceiver etwas taugen?",
war die erste Überlegung, als ich von dem Angebot eines Händlers aus HongKong hörte. Nachdem die Neugier gesiegt hatte und die Bestellung von je einem VHF-Gerät RONSON "RT-26V" und einem UHF-Gerät PUXING "PX-2R" erfolgt war, lagen sie dann etwa zwei Wochen später schon vor mir auf dem Tisch. Ich hatte sie separat bestellt und lag damit  offenbar jeweils auch noch unter jenem Betrag, ab dem die Zollbehörden auch die Zahlung der Umsatzsteuer fordern. Auf jeden Fall brachte mir der Briefträger beide Lieferungen ohne weitere Zahlungsaufforderungen direkt ins Haus.
Neben den eigentlichen Transceivern incl. Antenne, Batterie, Bedienungsanleitung ( in Chinesisch und Englisch ) gehörten zum Lieferumfang auch noch je ein auf unsere Steckdosennorm passender Ladeadapter. Ebenfalls mitgeliefert wurden einfache Hör-/Sprechgarnituren mit PTT-Taste. Bei der UHF-Version lag auch noch ein Antennenadapter von SMA auf BNC-Norm bei.


Abb.1   VHF- und UHF-Transceiver

Die kleinen, "schnuckeligen" Geräte machten durchaus einen soliden Eindruck, wobei man allerdings immer auch das Preis-/Leistungsverhältnis berücksichtigen muss. An der mechanischen Verarbeitung hatte ich jedenfalls nichts auszusetzen. Tasten und Drehknöpfe lassen sich gut bedienen.  Vor der ersten Inbetriebnahme mussten erst einmal die Akkus geladen werden. Sie entsprechen den auch überall für wenige Euros erhältlichen Nokia-Typen "BL-2R" und "BL-5C", so dass hier auch ein ggf. gewünschter späterer Ersatz kein Problem darstellt.
Obwohl die VHF- und die UHF-Version fast identisch aussehen ( Abb.1 ), stellte sich aber schon beim ersten Einschalten heraus, daß ihr Betriebsverhalten in wichtigen Punkten durchaus unterschiedlich ist. Während bei der UHF-Version zum Einschalten lediglich der mit dem Lautstärkepoti kombinierte Drehschalter zu betätigen ist, muss der gleiche Knopf bei der VHF-Version für ein paar Sekunden niedergedrückt werden. Ein weiterer Unterschied besteht darin, daß der Bedienknopf der UHF-Version zweigeteilt ist und dabei ein Teil zur Lautstärke- und der andere zur Frequenzeinstellung benutzt wird, wogegen das VHF-Gerät nur einen gemeinsamen Drehschalter für entweder Kanal- oder Lautstärkeeinstellung besitzt  und die Bedienumschaltung über einen seitlich am Gerät angeordneten Taster erfolgt. Damit sind alle Unterschiede aber noch längst nicht beschrieben, so daß weiter unten noch näher darauf einzugehen sein wird.
Beide Gerätetypen erlauben eine Direkteingabe der gewünschten Betriebsfrequenzen. Während sie im VHF-Bereich zwischen 134 und 174 MHz liegen können, deckt die UHF-Version einen Frequenzbereich von 400-470 MHz ab. Für den Amateurfunkbetrieb kaum von Nachteil dürfte dabei sein, daß im Wesentlichen NUR im 12.5 KHz und 25 KHz-Kanalraster gearbeitet werden kann. Während die VHF-Geräte zusätzlich auch noch ein 6.25 KHz-Raster erlauben, ist bei den UHF-Geräten zwar auch die Eingabe einer in diesem Raster liegenden Frequenz möglich, eine im gleichen Raster erfolgende Weiterschaltung klappt dagegen nicht. Im Bedarfsfall dürfte es somit besser sein, entsprechende Frequenzen besser als Memorykanäle abzulegen. Die dazu nötige Vorgehensweise wird weiter unten noch näher zu erwähnen sein.
Die Rasteranwahl erfolgt ansonsten über entsprechende Menüpunkte, wozu weiterhin auch z.B. eine in grossen Bereichen wählbare Relaisablage, Squelch-Empfindlichkeit, Sendeleistungsanwahl und Betrieb mit oder ohne CTCSS oder DCS-Subtönen gehören. Zusätzliche Besonderheiten sind der schaltbare Vox-Betrieb ( sprachgesteuerte Sender-Einschaltung ) und eine Empfangsmöglichkeit für den UKW-Rundfunkbereich ( nur Mono ). Erwähnenswert ist bei UKW-Empfang noch die automatisch erfolgende Umschaltung in den Funksprech-Mode nach dort erkanntem Signalempfang. Wen das stört, der sollte im Funkbereich einen nicht benutzten Kanal anwählen.
Was mich bei dem VHF-Gerät anfänglich stark nervte, waren die bei jeder Tastatureingabe in englischer Sprache erfolgenden Ansagen. Glücklicherweise lassen sich diese aber auch  unterdrücken. Dabei ist mir aber durchaus bewusst, daß es Personenkreise gibt, für die diese Ansagen eine große Hilfe darstellen könnten.
Ein Kritikpunkt bezieht sich auf die erweiterten Einstellungen des VHF-Gerätes, die NICHT zu den Angaben im mitgelieferten Handbuch passten. Zur Hilfestellung habe ich im Anhang eine Tabelle der mir zu diesem Gerät bekannten, von den Handbuchangaben abweichenden Einstellmöglichkeiten erstellt. Als Beispiel sei dabei die Einstellung der gewünschten Relaisablage genannt. Während sie gemäß Handbuch unter Menüpunkt 14 hätte erreichbar sein sollen, musste sie tatsächlich unter Punkt 5 ( DIFFR ) angewählt werden! Leider sind aber derartige Unstimmigkeiten bei asiatischen Produkten nicht gerade selten.
Vermissen könnte man auch einen fehlenden 1750Hz-Ton zur Relaisauftastung und ggf. auch die Möglichkeit zur Aussendung von DTMF-Tönen, aber hier muss man halt gewisse Kompromisse schließen.
Neben dem VFO-Betrieb mit Direkteingabe der Betriebsfrequenzen über die Tastatur, erlauben die Geräte grundsätzlich auch den Speicherkanalbetrieb mit Festabruf und auch Scan vorabgespeicherter ( max. 128 ) Frequenzen. Um diese jedoch im Gerät ablegen zu können, wird ein zusätzlicher Hardware-Adapter und eine spezielle Programmiersoftware benötigt. Während Kabel plus Software für die UHF-Version schon für wenige Euros bei den einschlägigen Gerätehändlern erhältlich sind, müsste man sich einen Adapter für die VHF-Version derzeit noch selbst bauen.


Abb.2  Geräteanschlüsse für Audio-Peripherie und Programmierung

Unterschiedlich sind auch die Geräteanschlüsse beider Versionen ( siehe Abb.2 ). Zur Verbindung mit externer Audio-Peripherie ist das "RT-26V" ( VHF ) mit einer standardmäßigen 2.5mm-Stereo-Klinkenbuchse ausgestattet. Soll das Gerät programmiert werden, so wird hierbei die ansonsten zum Laden des Gerätes vorhandene Mini-B USB-Buchse verwendet, wobei an dieser Stelle aber mit seriellen 3.3V-TTL Datensignalen gearbeitet wird. Um eine Verbindung mit dem PC herstellen zu können, ist somit noch der zusätzliche Einsatz eines Adapters von TTL-Seriell nach USB zu empfehlen.


Abb.3  Abbildung der zur Programmierung des UHF-Gerätes benötigten
Spezialversion des 4Pol-Klinkensteckers mit zusätzlichem Kragen

Im Gegensatz zur VHF-Version verwendet das UHF-Gerät "PX-2R" eine 4pol. 2.5mm-Buchse mit allerdings zusätzlichem Kragen. Zur Anschaltung von Hör-/Sprechgeschirren usw. kann  dabei ein handelsüblicher 4pol. Klinkenstecker benutzt werden. Zur Programmierung dürfte dagegen NUR das speziell für diesen Gerätetyp verfügbare und auch eine Verbindung über den Kragenkontakt ermöglichende Spezialkabel verwendbar sein. Hier erfolgt die Pegelanpassung über einen in dieses Kabel integrierten TTL<>RS232-Wandler ( z.B. ähnl. MAX232 ), was zur Folge hat, daß zu einer ggf. erforderlichen USB-Anschaltung noch ein weiterer Adapter benötigt wird.

PROGRAMMIERUNG ( zur Zeit nur "PX-2R" )

Nachdem ich inzwischen auch das Programmierkabel zum "PX-2R" incl. passender Software erhalten habe, kann ich hier über erste Ergbnisse berichten. Das Kabel besitzt nur einem RS232-Anschluss mit Sub-D-Buchse, so dass für die Verbindung mit dem PC noch ein zusätzliches USB-Adapterkabel erforderlich wurde.
Nach Start des Programmes erschienen dann auf dem Bildschirm des PC's aber erst einmal nur eine Unmenge von Fragezeichen! Unsere chinesischen Freunde beglückten und mit einem Programmstart in ihrer Sprache, wobei die Schriftzeichen aber zumindest bei mir nicht dargestellt wurden. Durch Anklicken des dritten Fragezeichens von rechts in der Eingabezeile konnte dann allerdings auf ENGLISCH umgeschaltet werden, wobei ich allerdings zumindest bisher noch noch keine Möglichkeit zur Speicherung dieser Anwahl  gefunden habe, so dass sie bei jedem Programmstart zu wiederholen ist! Das Gleiche gilt auch für den unter COMMUNICATION einzustellenden COM-Port, dessen Ordnungszahl erst einmal in Abhängigkeit vom verwendeten USB-Adapter über den Windows-Gerätemanager zu ermitteln ist. Nachdem die Programm-Software nur COM-Ports zwischen 1 und 6 erlaubt, muss die ( in der Regel automatisch generierte ) COM-Port-Ordnungszahl im ungünstigen Fall noch einmal geändert werden ( was über die erweiterten Anschlusseinstellungen aber grundsätzlich möglich ist ).

 
Abb.4  Hauptmenü der Programmiersoftware des PX-2R

Hat man eine Verbindung zwischen Radio und PC hergestellt, so sollte das Erstellen der Liste mit den max. 128 Speicherfrequenzen und ihren Zusatzparametern keine weiteren Probleme bereiten. Nachdem Fehleingaben aber dazu führen können, daß sich das komplette Programm selbständig beendet und alle vorherigen Eingaben dabei verloren gehen, ist es besonders bei längeren Listen ratsam, diese auch zwischendurch auf der Festplatte zu sichern ( Der Verfasser weiss wovon er spricht ! ) .  Das Programm erlaubt übrigens auch noch einmal die Ablage der meisten, ansonsten aber auch über das Normalmenü erreichbaren Geräteparameter. Am Ende der Listeneingaben steht dann die Datenübertragung zum Funkgerät, was bei mir problemlos verlief.

Programmierversuche des VHF-Gerätes verlaufen aus bisher ungeklärten Gründen leider noch erfolglos. Ich bleibe aber am Ball!

FAZIT

Beide Geräte eignen sich sehr gut für den standardmäßigen Funkeinsatz ohne viel "Schnickschnack". Erstaunlich aufgrund der geringen Geräteabmessungen ist dabei die mögliche hohe Wiedergabelautstärke. Die Empfangsleistung habe ich zwar nicht messtechnisch erfasst, konnte allerdings im Vergleich auch zu wesentlich teureren Geräten keine merkbaren Unterschiede feststellen.
Die Sender arbeiten mit 2W ( High ) bzw. 1W ( Low ) Leistung, wobei die Modulationsqualität von Gegenstationen üblicherweise gut bewertet wurde.
Als Beispiel für die praktische Verwendbarkeit sei noch erwähnt, daß ich hier von Mainz aus mit dem "PX-2R" incl. seiner kurzen Gummiwendelantenne problemlos z.B. Verbindungen über das in etwa 130Km Entfernung befindliche 70cm-Relais auf der Wasserkuppe in der Rhön herstellen kann.

Nachdem ich im UHF-Gerät nun auch Speicherkanäle ablegen konnte, lassen sich diese jetzt auch scannen. Dabei musste ich allerdings leider festgestellt, daß der Scan-Modus "TO" ( time-operated scan ) zumindest bei mir nicht funktioniert, so daß der Suchlauf auf Kanälen mit Dauerträger auch dauerhaft hängen bleibt!

Idee zur erweiterten Verwendung:
Nachdem ich auch schon längere Zeit auf der Suche nach einem preiswerten Transceiver zum Aufbau einer einfachen 144.8-MHz-APRS-Bake war, denke ich mit dem "RT-26V" das Richtige gefunden zu haben. Ein kleiner Nachteil ist dabei allerdings der derzeit noch bestehende Zwang zum jeweiligen manuellen Einschalten des Transceivers bei jeder Inbetriebnahme. Über Ideen zur automatischen Geräteeinschaltung nach dem Anlegen einer ( externen ) Versorgungsspannung wird aber nachgedacht.

AUFFINDEN VON BEZUGSQUELLEN

Unter EBAY die Begriffe "PX-2R" ( UHF ) bzw. "RT-26" ( VHF ) eingeben und in linker Spalte Haken für weltweite Suche setzen

LINKS

http://rev0proto.com/wiki/index.php/Puxing_PX-2R
http://www.transmission1.co.uk/forum/viewtopic.php?f=44&t=9364  ( 7 Seiten )
http://www.eham.net/reviews/detail/8438
http://ha4bf.atw.hu/puxing/px2r.html

ANHANG: ERWEITERTE MENÜ-EINSTELLUNGEN DES VHF-GERÄTES "RT-26"
( Hier aufgeführt wegen Abweichung von den Angaben im mitgelieferten Handbuch )

Der Aufruf der wichtigsten Betriebsfunktionen erfolgt nach Anwahl über die Tasten "F" plus "1" bis "0". Ein erweiterter Menüaufruf ist noch über "F/8" und "ENTER" möglich. Der Drehschalter dient dabei der Anwahl der einzelnen Funktionen als da sind:

001    SCRM                                                      off/on 
002    COMP                                                      off/on 
003    W-N              wide/narrow band                wide/narrow 
004    STE                                                           off/on
005    DIFFR          repeater offset                   00.000-70.000 ( MHz )
006    SCAN                                                        ----
007    PRICH                                                      ----  
008    NAME         frequency display mode      ----
009    DW                                                           off/on 
010    LAMP          backlight control                 auto/lamp 
011    SCANS        scan type                             co/se/to
012    TOT             time-out timer                     off/15s to 600s in 15s steps  
013    SAVE           save power                          off/1/2/3/4 
014    APO             automatic power off            off/30Min to 180Min in 30Min steps
015    S MODE                                                  ---- 
016    RCPALT                                                  off/on 
017    KEY LK      key lock                               man auto/auto

PS: Einige Funktionen sind dabei vermutlich erst nach Speicherung von Memory-Kanälen im sog. Channel-Mode erreichbar.
      Angaben zur Vervollständigung ( oder ggf. auch Korrektur ) dieser Liste werden gern entgegengenommen.

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