"Kann denn ein für weniger
als
Euro 30 erhältlicher FM-Transceiver etwas taugen?",
war die erste Überlegung, als ich von dem Angebot eines
Händlers aus HongKong hörte. Nachdem die Neugier gesiegt
hatte und die Bestellung von je einem VHF-Gerät RONSON "RT-26V"
und einem UHF-Gerät PUXING "PX-2R" erfolgt war, lagen sie dann
etwa zwei Wochen später schon vor mir auf dem Tisch. Ich hatte sie
separat bestellt und lag damit offenbar jeweils auch noch unter
jenem Betrag, ab dem die Zollbehörden auch die Zahlung der
Umsatzsteuer fordern. Auf jeden Fall brachte mir der
Briefträger beide Lieferungen ohne weitere Zahlungsaufforderungen
direkt ins Haus.
Neben den eigentlichen Transceivern incl. Antenne, Batterie,
Bedienungsanleitung ( in Chinesisch und Englisch ) gehörten zum
Lieferumfang auch noch je ein auf unsere Steckdosennorm passender
Ladeadapter. Ebenfalls mitgeliefert wurden einfache
Hör-/Sprechgarnituren mit PTT-Taste. Bei der UHF-Version lag auch
noch ein Antennenadapter von SMA auf
BNC-Norm bei.

Abb.1 VHF- und UHF-Transceiver
Die kleinen, "schnuckeligen" Geräte machten durchaus einen soliden
Eindruck, wobei man allerdings immer auch das
Preis-/Leistungsverhältnis berücksichtigen muss. An der
mechanischen Verarbeitung hatte ich jedenfalls nichts auszusetzen.
Tasten und Drehknöpfe lassen sich gut bedienen. Vor der
ersten Inbetriebnahme mussten erst einmal die Akkus
geladen werden. Sie entsprechen den auch überall für wenige
Euros erhältlichen Nokia-Typen "BL-2R" und "BL-5C", so dass
hier auch ein ggf. gewünschter späterer Ersatz kein Problem
darstellt.
Obwohl die VHF- und die UHF-Version fast identisch aussehen ( Abb.1 ),
stellte sich aber schon beim ersten Einschalten heraus,
daß
ihr Betriebsverhalten in wichtigen Punkten durchaus
unterschiedlich ist. Während bei der UHF-Version zum
Einschalten lediglich der mit dem Lautstärkepoti kombinierte
Drehschalter zu betätigen ist, muss der gleiche Knopf bei der
VHF-Version für ein paar Sekunden niedergedrückt werden. Ein
weiterer Unterschied besteht darin, daß der Bedienknopf der
UHF-Version zweigeteilt ist und dabei ein Teil zur Lautstärke- und
der andere zur Frequenzeinstellung benutzt wird, wogegen das
VHF-Gerät nur einen gemeinsamen Drehschalter für entweder
Kanal- oder Lautstärkeeinstellung besitzt und die
Bedienumschaltung über einen seitlich am Gerät angeordneten
Taster erfolgt. Damit sind alle Unterschiede aber noch längst
nicht beschrieben,
so daß weiter unten noch näher darauf einzugehen sein wird.
Beide Gerätetypen erlauben eine Direkteingabe der gewünschten
Betriebsfrequenzen. Während sie im VHF-Bereich zwischen 134 und
174 MHz liegen können, deckt die UHF-Version einen Frequenzbereich
von 400-470 MHz ab. Für den Amateurfunkbetrieb kaum von Nachteil
dürfte dabei sein, daß im Wesentlichen NUR im 12.5 KHz und
25 KHz-Kanalraster gearbeitet werden kann. Während die
VHF-Geräte zusätzlich auch noch ein 6.25 KHz-Raster erlauben,
ist bei den UHF-Geräten zwar auch die Eingabe einer in diesem
Raster liegenden Frequenz möglich, eine im gleichen Raster
erfolgende Weiterschaltung klappt dagegen nicht. Im Bedarfsfall
dürfte es somit besser sein, entsprechende Frequenzen besser als
Memorykanäle abzulegen. Die dazu nötige Vorgehensweise wird
weiter unten noch näher zu erwähnen sein.
Die Rasteranwahl erfolgt ansonsten über entsprechende
Menüpunkte, wozu weiterhin auch z.B. eine in
grossen Bereichen wählbare Relaisablage, Squelch-Empfindlichkeit,
Sendeleistungsanwahl und Betrieb mit oder ohne CTCSS oder
DCS-Subtönen gehören. Zusätzliche Besonderheiten sind
der schaltbare Vox-Betrieb ( sprachgesteuerte Sender-Einschaltung )
und
eine Empfangsmöglichkeit für den UKW-Rundfunkbereich ( nur
Mono ). Erwähnenswert ist bei UKW-Empfang noch die
automatisch
erfolgende Umschaltung in den Funksprech-Mode nach dort
erkanntem
Signalempfang. Wen das stört, der sollte im Funkbereich einen
nicht benutzten Kanal anwählen.
Was mich bei dem VHF-Gerät anfänglich stark nervte, waren die
bei jeder Tastatureingabe in englischer Sprache erfolgenden Ansagen.
Glücklicherweise lassen sich diese aber auch
unterdrücken.
Dabei ist mir aber durchaus bewusst, daß es Personenkreise
gibt, für die diese Ansagen eine große Hilfe darstellen
könnten.
Ein Kritikpunkt bezieht sich auf die erweiterten Einstellungen des
VHF-Gerätes, die NICHT zu den Angaben im mitgelieferten Handbuch
passten. Zur Hilfestellung habe ich im Anhang eine Tabelle der mir zu
diesem Gerät bekannten, von den Handbuchangaben abweichenden
Einstellmöglichkeiten erstellt. Als Beispiel sei dabei die
Einstellung der gewünschten
Relaisablage genannt. Während sie gemäß Handbuch unter
Menüpunkt 14 hätte erreichbar sein sollen, musste sie
tatsächlich unter Punkt 5 ( DIFFR )
angewählt werden! Leider sind aber derartige Unstimmigkeiten bei
asiatischen Produkten nicht
gerade selten.
Vermissen könnte man auch
einen fehlenden 1750Hz-Ton zur Relaisauftastung und ggf. auch die
Möglichkeit zur Aussendung von DTMF-Tönen, aber hier muss man
halt gewisse Kompromisse schließen.
Neben dem VFO-Betrieb mit Direkteingabe der Betriebsfrequenzen
über die Tastatur, erlauben die Geräte grundsätzlich
auch den Speicherkanalbetrieb mit Festabruf und auch Scan
vorabgespeicherter ( max. 128 ) Frequenzen. Um diese jedoch im
Gerät ablegen zu
können, wird ein zusätzlicher Hardware-Adapter und eine
spezielle Programmiersoftware benötigt. Während Kabel plus
Software für die UHF-Version schon für wenige Euros bei den
einschlägigen Gerätehändlern erhältlich sind,
müsste man
sich einen Adapter für die VHF-Version derzeit noch selbst bauen.
Abb.2 Geräteanschlüsse
für Audio-Peripherie und Programmierung
Unterschiedlich sind auch die
Geräteanschlüsse beider Versionen ( siehe Abb.2 ). Zur
Verbindung mit externer Audio-Peripherie
ist das "RT-26V" ( VHF ) mit einer standardmäßigen
2.5mm-Stereo-Klinkenbuchse ausgestattet. Soll das Gerät
programmiert
werden, so wird hierbei die ansonsten zum Laden des Gerätes
vorhandene Mini-B USB-Buchse verwendet, wobei an dieser Stelle aber mit
seriellen 3.3V-TTL Datensignalen gearbeitet wird. Um eine Verbindung
mit dem PC herstellen zu können, ist somit noch der
zusätzliche Einsatz eines Adapters von TTL-Seriell nach USB
zu empfehlen.

Abb.3 Abbildung der zur Programmierung des UHF-Gerätes
benötigten
Spezialversion des 4Pol-Klinkensteckers mit zusätzlichem Kragen
Im Gegensatz zur VHF-Version verwendet das UHF-Gerät "PX-2R" eine
4pol.
2.5mm-Buchse
mit allerdings zusätzlichem
Kragen. Zur Anschaltung von Hör-/Sprechgeschirren usw. kann
dabei ein handelsüblicher 4pol. Klinkenstecker benutzt werden. Zur
Programmierung dürfte dagegen NUR das speziell für diesen
Gerätetyp verfügbare und auch eine Verbindung über den
Kragenkontakt ermöglichende Spezialkabel verwendbar sein. Hier
erfolgt die Pegelanpassung über einen in dieses Kabel integrierten
TTL<>RS232-Wandler ( z.B. ähnl. MAX232 ), was zur Folge hat,
daß zu einer ggf. erforderlichen USB-Anschaltung noch ein
weiterer Adapter
benötigt wird.
PROGRAMMIERUNG (
zur Zeit nur "PX-2R" )
Nachdem ich inzwischen auch das
Programmierkabel zum "PX-2R" incl. passender Software erhalten habe,
kann ich
hier über erste Ergbnisse berichten. Das Kabel besitzt nur einem
RS232-Anschluss mit Sub-D-Buchse, so dass für die Verbindung mit
dem PC noch ein zusätzliches USB-Adapterkabel erforderlich wurde.
Nach Start des Programmes erschienen dann auf dem Bildschirm des PC's
aber erst einmal nur eine Unmenge von Fragezeichen! Unsere chinesischen
Freunde beglückten und mit einem Programmstart in ihrer Sprache,
wobei die Schriftzeichen aber zumindest bei mir nicht dargestellt
wurden. Durch Anklicken
des dritten Fragezeichens von rechts in der Eingabezeile konnte dann
allerdings auf ENGLISCH umgeschaltet werden, wobei ich allerdings
zumindest bisher
noch noch keine Möglichkeit zur Speicherung dieser Anwahl
gefunden habe, so dass sie bei jedem Programmstart zu wiederholen ist!
Das Gleiche gilt auch für den unter COMMUNICATION einzustellenden
COM-Port, dessen Ordnungszahl erst einmal in
Abhängigkeit vom verwendeten USB-Adapter über den
Windows-Gerätemanager zu ermitteln ist. Nachdem die
Programm-Software nur COM-Ports zwischen 1 und 6 erlaubt, muss die ( in
der Regel automatisch generierte ) COM-Port-Ordnungszahl im
ungünstigen Fall noch einmal geändert werden ( was über
die erweiterten Anschlusseinstellungen aber grundsätzlich
möglich ist ).
Abb.4 Hauptmenü der
Programmiersoftware des PX-2R
Hat man eine Verbindung zwischen Radio
und PC hergestellt, so sollte das Erstellen der Liste mit den max. 128
Speicherfrequenzen und ihren Zusatzparametern keine weiteren Probleme
bereiten. Nachdem Fehleingaben aber dazu führen können,
daß
sich das komplette Programm selbständig beendet und alle
vorherigen Eingaben
dabei verloren gehen, ist es besonders bei längeren Listen ratsam,
diese auch zwischendurch auf der Festplatte zu sichern ( Der Verfasser
weiss wovon er spricht ! ) . Das Programm erlaubt übrigens
auch noch einmal die Ablage der meisten, ansonsten aber auch über
das Normalmenü erreichbaren Geräteparameter. Am Ende der
Listeneingaben steht dann die Datenübertragung zum Funkgerät,
was bei mir problemlos verlief.
Programmierversuche des VHF-Gerätes verlaufen aus bisher
ungeklärten Gründen leider noch erfolglos. Ich bleibe aber am
Ball!
FAZIT
Beide Geräte eignen sich sehr gut für den
standardmäßigen Funkeinsatz ohne viel "Schnickschnack".
Erstaunlich aufgrund der geringen Geräteabmessungen
ist dabei die mögliche hohe Wiedergabelautstärke. Die
Empfangsleistung habe ich zwar nicht messtechnisch erfasst, konnte
allerdings im
Vergleich auch zu wesentlich teureren Geräten keine merkbaren
Unterschiede feststellen.
Die Sender arbeiten mit 2W (
High ) bzw. 1W ( Low ) Leistung, wobei die Modulationsqualität von
Gegenstationen üblicherweise gut bewertet wurde.
Als Beispiel für die praktische Verwendbarkeit sei noch
erwähnt, daß ich hier von Mainz aus mit dem "PX-2R" incl.
seiner kurzen
Gummiwendelantenne problemlos z.B. Verbindungen über
das in etwa 130Km Entfernung befindliche 70cm-Relais auf der
Wasserkuppe in der Rhön herstellen kann.
Nachdem ich im UHF-Gerät nun auch Speicherkanäle ablegen
konnte, lassen sich diese jetzt auch scannen. Dabei musste ich
allerdings leider festgestellt, daß der Scan-Modus "TO" (
time-operated scan ) zumindest bei mir nicht funktioniert, so daß
der Suchlauf auf Kanälen mit Dauerträger auch dauerhaft
hängen bleibt!
Idee zur erweiterten Verwendung:
Nachdem ich auch schon längere Zeit auf der Suche nach einem
preiswerten
Transceiver zum Aufbau einer einfachen 144.8-MHz-APRS-Bake war, denke
ich mit dem "RT-26V" das Richtige gefunden zu haben. Ein kleiner
Nachteil ist dabei allerdings der derzeit noch bestehende Zwang zum
jeweiligen manuellen Einschalten des
Transceivers bei jeder Inbetriebnahme. Über Ideen zur
automatischen Geräteeinschaltung nach dem Anlegen einer ( externen
) Versorgungsspannung wird aber nachgedacht.